01.01.2018 kurz nach Mitternacht

"Auf ein schönes Jahr mit dir", sagte mein damaliger Freund. Schon da wusste ich, dass er nicht das ganze Jahr so präsent in meinem Leben bleiben wird.
Drei Monate später war es soweit, ich stand mit verheultem Gesicht vor ihm und trennte mich. "Wir haben alles in Ruhe geklärt, wir werden schon gut auseinander gehen", dachte ich. Am Ende war es so schlimm, dass ich schreiend und weinend den Unterricht verließ und drei Tage nicht zur Schule kam.
"Bleib stark, bleib stark, du darfst keine Schwäche zeigen", sagt ich mir ständig. Und das tat ich auch. Ich habe das gemacht, was mir gut tat, ich hatte Spaß, ich ging öfter als gewöhnlich zum Sport, als die Muskeln wuchsen, fühlte ich mich stark, als könne mich nichts mehr aus der Bahn werfen. Auch in der Schule lief es endlich wieder besser.

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Im Sommer lernte ich jemand Neues kennen. Mir fiel er schon seit einigen Monaten auf. Er war so interessant. Als ich ihn näher kennen lernte, stellte sich heraus, dass er nicht der "McDreamy" war, für den ich ihn hielt. Also war das Thema Typen wieder vorbei, aber untergekriegt habe ich mich dadurch nicht. Ich fing an zu meditieren, ich fühlte mich noch besser. Ich fing an Yoga zu praktizieren, besser hätte es nicht werden können. Ich hatte, bzw. habe wahnsinnig tolle Freunde, eine Leidenschaft, der Sport, die mich nie im Stich lässt und unglaublich viel Liebe für mich selbst. Und dann rutschte ich ab. Nicht abrutschen im Sinne von Drogen konsumieren oder mir andere schlechte Dinge anzutun. Aber ich zog mich zurück. In der Schule, beim Sport, zu Hause.Ich beteiligte mich im Unterricht nicht, ich unterhielt mich im Fitnesstudio nicht mehr mit den Leuten, zu Hause erzählte ich nicht mehr von meinem Tag. Erst vor kurzem fand ich mich beim Arzt wieder. Aufgelöst, voller Trauer und Schwäche. Ich konnte nicht mehr. Warum? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß es nicht. "Sue, Sie brauchen Hilfe", diese Worte hörte ich in mein Ohr eindringen. "Ich brauche keine Hilfe, ich brauchte noch nie Hilfe von anderen. Ich bin doch nicht verrückt", dachte ich mir. NEIN, man ist auch nicht verrückt, wenn man therapeutische Hilfe benötigt, aber das habe ich erst zwei Wochen später langsam verstanden. Zwei Wochen ging ich nicht zur Schule, reagierte auf keine Nachrichten meiner Klassenkameraden, die sich angeblich Sorgen um mich machten, obwohl sie einfach nur neugierig waren, was mit mir los war... glaube ich. Ich lag nur noch im Bett und dachte nach. Ich dachte zu viel nach. Ich DENKE zu viel nach.

30.12.2018 halb elf

Jetzt sitze ich hier, möchte meine Ziele für 2019 aufschreiben. Ich habe keine Ziele, außer so glücklich zu sein, wie Mitte des Jahres. Aber das wird ein langer Weg und ich weiß nicht, ob ich diesen Weg im Moment gehen will. Oder will ich doch lieber weiter in meiner traurigen Komfortzone leben? Wir werden sehen....

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Warum ich das hier alles schreibe, wenn es vielleicht nie einer lesen wird? Auch darauf habe ich keine Antwort. Ich wollte es, glaube ich, einfach loswerden, ohne das mich alle mitleidend ansehen.

- Sue