Es war nun schon 5 Jahre her, dass ich in den Himmel gekommen bin. Die einzige, die dies nicht verkraftet hatte war sie. Bis heute nicht. Ich statte ihr heute einen Besuch ab und komme als Geist auf die Erde. Sie wird mich nicht sehen können. Niemand. Da saß sie, auf dem Sofa im Wohnzimmer und weinte. Ich stand in der Ecke des Raumes und sah sie bemitleidend da. ,,Ich bin da, ich bin bei dir. Hör bitte auf zu weinen", sagte ich. Doch sie konnte mich ja nicht hören. Ich ging näher zu ihr und sah sie noch immer an. Sie war noch genau so schön wie früher. Ich setzte mich neben sie. Natürlich merkte sie auch davon nichts. Noch immer überlegte ich, was ich tun könnte, das sie weiß, dass ich da bin. Also ging ich in die die Küche, besorgte mir Blatt und Stift und schrieb: ,,Hey, ich bin es. Ich weiß, dass klingt komisch, da ich nicht mehr da bin aber ich durfte heute zu dir auf die Erde kommen. Du kannst mich nicht sehen aber ich bin bei dir. Dieser Zettel ist auch kein Streich von irgendwem. Du erkennst doch vielleicht noch meine Handschrift. Schließ die Augen!" Ich legte den Zettel auf den Tisch und wartete, bis sie in die Küche ging. Lange dürfte dies nicht mehr dauern, da sie entweder neue Taschentücher brauchte oder die anderen 100 Taschentücher in den Müll brachte. Schließlich stand sie auf, um in die Küche zu gehen mitsamt den vollen Taschentüchern. Sie machte den Mülleimer auf und schmiss sie hinein, dann drehte sie sich um, um wieder zu gehen, doch blieb stehen. Sie entdeckte den Zettel. Ich stand direkt hinter ihr. Plötzlich drehte sie sich mit geschlossenen Augen um. Ich stand einfach nur da und schaute sie an. ,,Omg, was machst du denn hier?", fragte sie in Freudentränen ausbrechend. ,,Dich besuchen!" Sie konnte mich hören, wenn sie die Augen geschlossen hatte und sich voll und ganz darauf konzentrierte. ,,Wieso kann ich dich mit geschlossenen Augen hören und sehen?" ,,Stell dir das vor wie ein Traum, nur das es wirklich wahr ist. Mit Fantasie geht alles. Aber das ist nicht deine Fantasie. Es ist nicht dein Traum. Wenn andere mir unbekannte Leute ihre Augen schließen würden, könnten sie mich nicht sehen. Nur mir nahestehenden Personen. So wie du zum Beispiel." Dann schwiegen wir: ,,Hör zu, ich hab nicht viel Zeit. Ich möchte, dass du endlich wieder glücklich bist. Du weißt, ich bin immer da, auch, wenn ich nicht wirklich da bin. Du kannst immer mit mir reden, dass weißt du. Ich möchte, das du da raus gehst, mit einem Lächeln im Gesicht und den Leuten zeigst wie glücklich du bist und was du doch eigentlich für ein tolles Leben hast. Auch ohne mich. Aber ich bin ja da." sprach ich. ,,Okay, danke!" ,,Meine Zeit ist gekommen, ich muss gehen" ,,Was? Jetzt schon?", erwiderte sie. ,,Ja, leider" Wir schauten uns an und dann sagte ich das, was ich mich nie getraut hatte zu sagen, bis es zu spät war. ,,Ich liebe dich!" Dann näherten wir uns bis sich unsere Lippen miteinander verschmolzen. Jetzt konnte sie meine Gefühle spüren. Eine Mischung aus, Freude, Neugier, Aufregung aber auch Trauer. Dann lösten wir uns. ,,Ich liebe dich auch!" Ich lächelte, als sie das sagte. Schon sah sie mich unschärfer, bis ich schließlich wieder auf meiner Wolke saß. Ich hörte sie sagen: Ich werde kommen. Warte noch ein bisschen auf mich. Bis bald." Ich antworte in ihren Gedanken: ,,Ich werde immer auf dich warten. Egal wie lange es dauern wird."
(geschrieben: 2016)