Es war mitten im Sommer. Eigentlich sollte ich jetzt mit Felix draußen Spaß haben und Longboard fahren, doch es kam anders. Ganz anders. Den ganzen letzten Sommer hatten Felix und ich darüber geredet, was wir diesen Sommer wieder alles Unternehmen und anstellen wollten. Ja, wir beide machten viel Quatsch. Doch dann, kam dieser eine Tag. Kurz vor Sommer Anfang. Felix und ich liefen gerade durch Köln und da war dieses Auto. Es kam direkt auf Felix zu, der ein paar Meter hinter mir lief. Ich schrie: ,,Felix! Pass auf! Komm schnell!" Doch, es war zu spät. Das Auto hatte meinen besten schon erfasst. Auf einmal spielte sich alles wie in Zeitlupe ab. Das Auto raste auf ihn zu und Felix schaute zu mir und wieder zu dem Auto. Ich schrie: ,,Felix! Neeeiiin!" Bis es ihn erfasste. Ich spürte, wie meine Beine mich in seine Richtung trugen, doch so richtig bekam ich das alles nicht mit. Ich wählte 112. Und im nächsten Moment befanden wir uns schon im Krankenhaus. Ich weiß nicht, wie lange ich schon hier saß, jedenfalls eine halbe Ewigkeit. Ja, Felix lebte. Das heißt... noch. Er wurde gerade operiert. Nach ungefähr 3h kam eine Krankenschwester zu mir. Ich sprang auf: ,,Und wie geht es ihm?",,Naja, er hat innere Blutungen, eine heftige Gehirnerschütterung, gebrochene Knochen, viele Prellungen und Blutergüsse. Er liegt im Koma." "Er liegt im Koma....", schoss es mir durch den Kopf, "Er lebte. Omg er lebte!" ,,Darf ich zu ihm?" ,,Tut mir Leid, heute leider nicht. Es wäre nicht gut für ihn. Geben Sie ihm zwei Tage Ruhe"

-4 Monate später-

Da lag er,so friedlich und blass. Man könnte denken er schläft. Naja, eigentlich tut er das ja auch, fast. Er sah gesund aus, bis auf, dass er so blass war. Aber das alles war unter der Decke versteckt, unter der er lag. 4 Monate war es schon her. 4 ganze Monate lag er nun schon in diesem Bett. Sein Zustand hat sich nicht gerade verbessert. Es war ein auf und ab. Aber, nur weil sein Stand gerade gut aussah, hieß das nichts. Gar nichts. Es könnte jeden Moment umschlagen. Wieder saß ich an seinem Bett. Ich schaute zu ihm. Vor mir spielten sich die Szenen von seinem Unfall ab. Immer wieder. Ich gab mir selbst die Schuld an all dem. Mittlerweile war es fast Herbst. Die ersten Blätter fielen schon. Außerdem waren die Sonnenuntergänge so wunderschön. Sonst haben Felix... Ich fange schon wieder damit an. Sonst haben Felix und ich uns die Sonnenuntergänge immer zusammen anguckt. Auf seiner Terrasse. Das war immer wunderschön. Warum ist das nur passiert? Ich hätte den ganzen Sommer mit meinem besten Freund verbracht. Wir hätten Longboard gefahren, wären essen gegangen, hätten Spaß mit dem YouTubehaus gehabt, zusammen auf seiner PS 4 gezockt. Wir hätten so viele tolle Sachen erlebt. Doch alle das bliebt uns diesen Sommer verwehrt. Natürlich besuchten ihn auch Simon, Palle, Rewi, Peterle, Taddl, Ardy, Kev, Reyst, Jonah, Ju, Cheng und IBlali. Halt irgendwie alle seine YouTube Freunde. Besonders oft war Izzi da. Er war halt sein bester Freund. Auch häufig dann, wenn ich da. Aber nur durch Zufall. Meistens kam er erst Richtung Abend, wegen den Aufnahmen. Wenn wir mal beide bei ihm waren, sagte keiner etwas. Das Zimmer war totenstill. Es ertönte nur, in regelmäßigen das leise Piepen von den tausende Geräten, an denen Felix angeschlossen war.

Weitere 2 Monate vergingen. Mit Felix ist es nicht gerade besser geworden. Bestimmt schon zum 200. Mal betrat ich das Krankenhaus, in dem Felix lag. Wieder die Intensivstation. Wieder Felix Zimmer. Dieser totenstille weiße Raum. Ich hasste diese unangenehme Stille und dem weißen sterilen Raum, der mir sagen will:,, Vergiss es Mädchen! Er wird nie wieder zurück kommen. Du hasst verloren! Seh es ein. Find dich damit ab!" Würde Felix nicht in diesem Zimmer liegen, hätte ich womöglich geschrien. Ich werde nicht aufgeben, ich werde Felix nicht aufgeben. Er kämpft, Felix ist stark. Und ich werde mich definitiv nicht damit abfinden! Einige Stunden verbrachte ich dort. Ich starrte an die Wand und immer wieder schwirrten mir die schönen Erinnerungen durch den Kopf. Gefolgt von dieser Stimme, die mir sagen wollte, dass eigentlich alles vorbei ist. Schnell löschte ich diesen Gedanken. Auf einmal fing ein Gerät an zu piepen, nicht wie sonst. Omg. Wachte er auf? ,,Felix?", sagte ich halblaut. Nein, es gab ein Problem. Die Anzeigetafel für Puls und Herzschlag ging drastisch nach oben. Scheiße! Plötzlich kam Izzi durch die Tür herein. Ich schrie:,,Wir brauchen einen Arzt" Und plötzlich stürmten Krankenschwestern in das Zimmer. Ich nahm alles nur noch in Zeitlupe war. Eine sagte, dass wir raus gehen sollten, doch, das bekam ich gar nicht mit. Ich hatte mich voll auf Felix konzentriert. Auf einmal zog Izzi mich aus dem Zimmer. ,,Nein, nein! Ich will nicht!", schrie ich. ,,Komm Alina! Damit machst du es Felix auch nicht leichter", zerrte Izzi an mir. Auf dem Flur fiel ich ihm weinend in den Arm. Er umarmte mich fest. ,,Muss Felix sterben?", fragte ich ihn. ,,Ich weiß es nicht, aber er hätte es nicht verdient", meinte Izzi. Doch auch ihm lief eine Träne die Wange entlang. Das Warten fühlte sich wie Stunden an. Ich wurde immer unruhiger und immer mehr wuchs der Gedanke, dass Felix tot war. Nach 1 Stunde kam ein Arzt aus dem Zimmer. Ich sprang auf. Gerade wollte ich etwas sagen, doch die Miene des Arztes veränderte sich. ,,Es tut mir Leid, wir konnten nichts mehr für ihren Freund tun." Ich wollte etwas sagen, doch ich konnte nicht. Schnell sprang Izzi auf um mich festzuhalten, bevor ich halb zusammen brach. ,,Dürfen wir nochmal zu ihm?", fragte ich mit gebrochener Stimme. Der Arzt schaute uns an. ,,Ein letztes Mal", sagte ich. Der Arzt nickt. Bevor wir hinein gingen und er uns allein ließ, sagte er: ,,Es tut mir Leid" Mit zitternden Händen öffnete ich die Tür. Da lag er, mein bester Freund. Alle Kabel waren weg und die Geräte, an denen er angeschlossen waren, abgeschaltet. Er sah so friedlich und frei aus. Frei von Schmerz. Izzi hatte die ganze Zeit seine Arme um mich geschlungen, aus Angst, dass ich zusammen breche. ,,Es tut mir so Leid, dass ist alles meine Schuld! Du hast das nicht verdient" ,,Alina, bitte. Es war nicht deine Schuld!"

Fast 1 Monat war schon vergangen, seit Felix tot war. Ob ich mich damit abgefunden hatte? Nein. Ob ich mich daran gewöhnt hatte? Nein. Ob ich wieder meinen normalen Alltag habe? Nein. Um ehrlich zu sein, werde ich den nie wieder haben. Mein Alltag war Felix. Er war es, der mir gezeigt hat, was Leben heißt. Er war es, der mir gezeigt hat, was frei sein heißt. Und ausgerechnet er musste sterben? Heute war seine Beerdigung. Izzi holte mich ab. Ich habe ein schwarzes Kleid an und drehte mich nochmal vor dem Spiegel. Irgendwie konnte ich das alles noch nicht verstehen und realisieren. Das würde wohl auch noch eine Weile dauern. Es klingelte. Izzi stand vor der Tür: ,,Hey Alina, bist du soweit?" ,,Klar, ich ziehe mir gerade noch Schuhe an." Dann fiel die Tür ins schloss. ,,Die anderen warten unten. Mit "anderen" war das Youtubehaus gemeint. Bei der Beerdigung flossen Tränen. Zu viele Tränen. Alle sahen so traurig aus. Alle waren schwarz gekleidet. Ich hielt eine Rede in der Kirche, musste aber ein paar Mal stoppen um nicht völlig in Tränen auszubrechen. Auf dem Friedhof angekommen, wurde der Sarg, indem Felix lag hinunter in das Loch gelassen. Ich brach halb zusammen. Diese Situation war unerträglich. Jetzt war es also endgültig vorbei. Felix war endgültig weg. Für immer. Izzi, das Youtubehaus und ich blieben noch etwas an seinem Grab, bevor auch wir gingen.

1 Jahr ist es schon her, dass Felix tot ist. 1 ganzes Jahr. Heute war sein erster Todestag. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Ich vermisse ihn, ja. Aber mittlerweile kann ich ganz gut damit Leben. Es klingelte. ,,Wie geht's dir?", fragte Izzi. ,,Den Umständen entsprechend", sagte ich. ,,Kann ich verstehen", meinte Izzi. Zusammen wollten wir Felix Grab besuchen. Ich schaute auf das mit Blumen bepflanzte Stück. Izzi und ich sagten nichts. Ich schaute in den Himmel und bildete mir ein Felix Stimme zu hören: ,,Ich habe keine Schmerzen, es fühlt sich alles ganz leicht an."

(geschrieben: 12. Dezember 2015)