Lektion 1
"Sehnsucht"

Ich stehe unmittelbar vor meinem zwanzigsten Geburtstag und der Grund, warum ich dieses virtuelle Tagebuch mit dem unglaublich langen Titel beginne, ist der Traum, den ich letzte Nacht träumte, Er handelte erneut von P.
Ich kann nicht sagen, dass ich in letzter Zeit oft von P geträumt hatte. Mein Unterbewusstsein überrascht mich doch immer wieder aufs neue. Nach meiner letzten Erfahrung mit P dachte ich, er wäre endlich aus meinem Kopf verschwunden und plötzlich träumte ich von Facebook-Nachrichten in denen er mir mitteilte, dass er mich vermisste. Nicht einmal im Traum glaubte ich ihm und war deshalb nur wenig enttäuscht, als ich in meinem Zimmer ohne eine Nachricht aufwachte. Erneut kam ich ins Nachdenken und so wurde mir auch gleich die erste Lektion bewusst, die das Leben mir durch P beigebracht hatte:

Wenn du jemanden gefunden hast mit dem du dich wohl fühlst, mit dem du lachen und reden kannst und den du dabei auch noch unglaublich attraktiv findest, überstürzte nichts und halte dennoch an dieser Person fest.

Ich bereue es, dass ich den Kontakt habe auslaufen lassen. Mein zweiter Versuch der Kontaktaufnahme hatte mir gezeigt, dass es wohl nie wieder so wird wie es einst war. Auch, obwohl dies das Kitschigste ist, das ich je geschrieben oder begriffen habe, ist es dennoch auch das Ehrlichste.
Ich bereue es auch, alles was P anging so schrecklich zerdacht zu haben. "Zerdenken" scheint ein soeben von mir kreiertes Kunstwort zu sein, deshalb erläutere ich es im Folgenden:
Das Stammverb ist "denken". Das Präfix "zer-" soll hier von "zerstören" kommen. So erschließt sich die Bedeutung von "zerdenken" als "Etwas bestimmtes durch ständiges darüber Nachdenken, Zweifeln und Überinterpretieren zerstören".

Es ist wohl die wichtigste Lektion, die ich in diesem Jahr gelernt habe, und dabei ist es erst März.