Als Lilith Klaus zum ersten Mal begegnete, wusste sie, dass er etwas vor ihr verbarg.
Als Klaus Lilith zum ersten Mal begegnete, wusste er, dass sie wusste das er etwas vor ihr verbarg.

Es war einer dieser Tage, an denen Klaus wieder einmal die Kontrolle über sich selbst verlor.
Der Himmel war mit dicken grauen Wolken verhangen, selbst in den Wäldern Dontos' war es nicht länger sommerlich und ausgegrünt, eher nass und herbstlich.
Klaus, der sonst seine Tage friedlich unter dem dichten Blätterdach verbrachte, jagte nun zwischen den Bäumen hindurch wie ein wildes Tier, welches in Panik geraten vor etwas floh.
Klaus hatte Angst vor sich selbst.
Vor der Kreatur die in ihm lebte.
Diese Kreatur war ein Mörder, eine grausame Bestie die ohne jegliche Skrupel Menschenleben auslöschte, Körper zerfleischte oder brutal zerstückelte.
Er hatte Angst, dass dieses Monster wieder zum Leben erwachen würde.
Er war nicht lebendig, und dieses Wesen in ihm war nicht etwa seine zweite Persönlichkeit, nein. In seinem inneren hauste ein Dämon und er war sein Wirt.

Angefangen hatte dieser Horror vor beinahe Dreizehn Jahren mit seiner eigenen Ermordung.
Früher einmal war er Lebend gewesen, doch konnte er sich nicht mehr an diese Zeit erinnern. Denn Pandora hatte ihn kaltblütig getötet und seinen toten Körper verflucht, eine Kreatur in ihm eingepflanzt.
Pandora war eine Mörderin, eine Hexe und nach langen Kämpfen und hunderten verlorenen Seelen nun die Königin von Emorial.
Sie hatte eine Armee von unzähligen dieser Bestien, allesamt belegt mit dem Antimatex-Fluch.
Dieser bewirkte, dass ein Dämon- in Klaus' Fall ein gigantischer schwarzer Hund, welcher bloß existierte um zu morden- in einen dieser Leichen eingesetzt wurde. Es war also nicht so das sich der Mensch in das Monster verwandelte, sondern so das die Kreatur aus der Person herauskam.
Auch wenn all diese jungen Männer und Frauen allesamt lebendig wirkten, sogar denken und fühlen konnten, waren sie doch bloß Sklaven ihrer Herrin Pandora. Waren unfreiwillig zu Schutzhüllen für Wesen gemacht worden, die nur vernichten und auslöschen sollten.

Klaus war eine dieser Personen.
Doch er war anders, nur wusste er es nicht.
Ja, er war ein Mörder. Und er hasste sich dafür. Er konnte mehr empfinden als die anderen mit denen er einst zusammen hauste, und gerade das machte es so schrecklich für ihn.
Die Gefühle der übrigen war auf das mindeste reduziert. Klaus aber verbarg in sich einen Regenbogen. Aber dieser Regenbogen war von grauen Schlieren überzogen und die Wolken um ihn herum schimmerten in einem Blutrot, wie das Blut welches spritze wenn die Klauen der Kreatur aufs Neue Haut durchtrennte.

Und davor hatte er Angst. Er lebte nicht mehr in dieser Armee, war nicht mehr unter dem Bann der Pandora, er hatte seinen Platz im Königreich von Dontos, hier ging es ihm gut. Doch die Bestie in ihm rumorte, wollte Menschenfleisch.
Verzweifelt hatte er sich dagegen aufgelehnt, hatte dem Vieh verboten herauszubrechen, jedoch schaffte Klaus es nicht länger.
So hetzte er also durch den Wald, auf der Flucht vor sich selbst.

Bald würde er nicht mehr gegen an kommen können, müsste sich beugen. Er konnte es spüren, merkte wie seine Kräfte schwanden und der Dämonenhund sich bereit machte, erneut auf Jagd zu gehen.
Daher musste er weg von hier, denn Klaus wollte und konnte es nicht riskieren, die Leute die ihm nahestanden zu verletzen.

Die einzige Person die ihn von dieser Kreatur erlösen- oder sie zumindest aufhalten konnte- war Lilith.
Und der Tag an dem Klaus auf Lilith traf, war der Tag an dem er beinahe aufgegeben hätte.
Noch wusste sie nicht was in ihm steckte.
Und auch Klaus wusste nicht, das sie die Tochter Pandoras war.

Sie liebten sich als Menschen.
Nicht als mächtige Hexentochter und grausamer Dämonwirt, sondern als Lilith und Klaus.